Ein zyprisches Weinetikett lesen
Zypern übernahm mit dem EU-Beitritt 2004 das zweistufige europäische Herkunftssystem. Die daraus entstehenden Worte — g.U., g.g.A., ein Dorfname, ein Bezirksname — sind kein Schmuck. Jedes verpflichtet den Erzeuger auf bestimmte Grenzen, und welche das sind, sagt erstaunlich viel über den Inhalt der Flasche.
Zwei Stufen
Eine geschützte Ursprungsbezeichnung, g.U., ist die strengere Stufe: abgegrenztes Gebiet, festgelegte Sorten, Regeln zur Bewirtschaftung. Eine geschützte geografische Angabe, g.g.A., ist weiter gefasst — ein Bezirk statt eines Hangs, mit lockereren Grenzen.
Beide beaufsichtigt der zyprische Weinbauproduktrat. Keine von beiden ist für sich ein Qualitätsurteil, und das ist das häufigste Missverständnis: Ein g.g.A.-Wein ist kein geringerer Wein, sondern einer, dessen Erzeuger sich nicht an die Regeln einer g.U. binden wollte, oft weil die gewünschte Cuvée außerhalb liegt.
Die sieben g.U.
Commandaria, Krasochoria Lemesou, Krasochoria Lemesou–Afames, Krasochoria Lemesou–Laona, Laona–Akama, Vouni Panayia–Ampelitis und Pitsilia. Drei der sieben liegen unter dem Dach Krasochoria Lemesou: die Hauptzone plus Afames und Laona als Unterzonen, weshalb diese Namen allein wie auch mit Bindestrich auftauchen.
Die Regeln greifen. Reben müssen mindestens fünf Jahre alt sein. Erträge sind je nach Sorte auf etwa 36 bis 45 Hektoliter je Hektar gedeckelt — niedrig, nach jedem Maßstab. Der Mindestalkohol liegt bei 12 % für Rote und 11 % für Weiße. Und jede g.U. trägt Höhenkriterien, mit Bändern zwischen etwa 400 und 1.400 Metern.
Die vier g.g.A.
Lefkosia, Lemesos, Larnaka und Pafos — die vier Bezirke unter ihren griechischen Namen. Mindestens 85 % der Trauben müssen aus dem genannten Bezirk stammen, die Reben mindestens vier Jahre alt sein, und die Erträge dürfen höher liegen, zwischen etwa 55 und 70 Hektoliter je Hektar. Der Mindestalkohol sinkt auf 11 % für Rote und 10 % für Weiße.
Die 85-Prozent-Regel lohnt das Merken. Sie bedeutet, dass eine g.g.A.-Flasche legal bis zu 15 % Trauben von anderswo auf der Insel enthalten darf — so bauen viele Erzeuger über Jahrgänge hinweg eine gleichbleibende Cuvée.
Die Regel mit der größten Aussagekraft
Die Höhenkriterien sind das Ungewöhnliche und das klarste Signal auf dem Etikett. Nur sehr wenige Weinländer schreiben Höhe ins Herkunftsrecht. Zypern tut es, weil Höhe die gesamte Antwort der Insel darauf ist, heiß und südlich zu sein: Höhe erkauft die kühlen Nächte, die die Säure in der Traube halten.
Ein g.U.-Name auf einer zyprischen Flasche ist damit unter anderem eine Aussage darüber, wie hoch der Weinberg liegt. Pitsilia auf einem Etikett bedeutet Bergfrucht auf eine Weise, die keine Verkostungsnotiz erklären muss.
Zugehörige Weingüter
Kontaktdaten und Standort finden Sie jeweils auf der Seite des Weinguts.
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